mask

"Motiviert gegen Rechtsextremismus und Kindeswohlgefährdung"

Aus der Rede des Bundesjugendleiters - Delegiertenversammlung 2018

Bundesjugendleiter Patzelt bei seiner Rede in Husum. Foto: Frigger / Lauffeuer

Husum (SH) - In der Delegiertenversammlung der Deutschen Jugendfeuerwehr in Husum drehte sich alles um den Schwerpunkt "Motivation und Wertschätzung". Bundesjugendleiter Christian Patzelt ging in seiner Rede stark auf die gelebte Wertschätzung in der Jugendfeuerwehrarbeit ein. Aber er bezog auch deutlich Stellung, dass sich Jugendfeuerwehr-Akteure und -Verbände weiter laut und unermüdlich gegen Rechtsextremismus und Kindeswohlgefährdung positionieren sollten.

Ein Auszug aus der Rede:

"In Jugendfeuerwehren und in unseren Verbänden wird heute ein Bild gelebt, welches wir uns wieder viel stärker in allen Bereichen wünschen: Akzeptanz, Toleranz und Zusammenhalt - unabhängig von der Herkunft, der Hautfarbe, dem Alter oder den körperlichen Möglichkeiten jedes/ jeder Einzelnen.

Wie wichtig das ist, zeigen uns die aktuellen Entwicklungen. Da brennt gerade etwas an. Fremdenfeindlichkeit ist endgültig zurück – macht sich stärker breit als in den letzten Jahrzehnten. Was häufig noch verharmlost als Rechtspopulismus bezeichnet wird, verschwimmt immer mehr in seinen Grenzen zum Rechtsextremismus. Noch vor einigen Jahren wurde rechtes Gedankengut nur sehr vereinzelt verbreitet - vieles bei privaten Akteuren auch aus Unwissenheit, aus spontaner oder latenter eigener Unzufriedenheit.

Heute werden immer mehr rechte Gedanken auch auf hoher politischer Ebene verbreitet – und nicht nur auf Wahlkampf bezogener Populismus, sondern wirklich Fremdenfeindlichkeit.

Ich bin super motiviert, persönlich und mit den Werten der Jugendfeuerwehr dagegen zu halten: Toleranz und Respekt, Individuelle Vielfalt! Und sehr gerne möchte ich Euch motivieren, mitzumachen. Das geht definitiv auch als unpolitische Organisation und ohne sich konkret gegen parlamentarische Parteien zu stellen.

Jugendfeuerwehr hat so ein riesiges Potenzial, junge Menschen mit einer Freude und einer echten Überzeugung für Demokratie und Offenheit zu infizieren. Was wir in den Jugendfeuerwehren bewegen, prägt die Mädchen und Jungen, Kameradinnen und Kameraden. Kameradschaft – auch dass ein Wert der Feuerwehr, der junge Menschen in ihrer Persönlichkeit prägt und sehr viel mit Motivation und Wertschätzung zu tun hat. Für uns selbstverständlich.

Doch sowas wie Wertschätzung begegnet den jungen Kameradinnen und Kameraden später nicht selbstverständlich. Noch schlimmer, dass neben Fremdenfeindlichkeit auch Gewalt stärker in die Gesellschaft eindringt. Diese macht auch vor Helfern von Feuerwehr und Rettungsdienst nicht halt. Der Deutsche Feuerwehrverband hat dazu in diesem Jahr eine Initiative gestartet. Und auch wenn die Übergriffszahlen sich nach Austausch mit den Feuerwehren und Verbänden nicht so immens hoch darstellen, wie wir es alle in den sozialen Netzwerken wahrnehmen. Es gilt: Jede Pöbelei, jeder kleine Rempler ist zu viel. Das DFV-Motto steht für sich: Gewalt gegen Rettungskräfte geht gar nicht!

Das können und müssen wir in den Jugendfeuerwehren auch für uns übernehmen: Kindeswohlgefährdung geht gar nicht! Ein unglaublich wichtiges Beispiel. Wir müssen uns in den Feuerwehrverbänden, in Jugendfeuerwehr und Kinderfeuerwehr immer weiter mit der Prävention von Kindeswohlgefährdung auseinandersetzen.

Dieses Thema, die Sensibilisierung von Jugendleiterinnen und Jugendleitern, von Jugendsprecherinnen und -sprechern sowie – ganz wichtig – Führungskräften in der Feuerwehr darf nicht nachlassen. Es ist großartig, dass diese Präventionsarbeit so stark Einzug gehalten hat in die Ausbildung und Qualifikationsmaßnahmen der Jugendleiterinnen und -leiter. Aber es ist neben der Institutionalisierung in die Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit auch wichtig, dieses Schwerpunktthema laut zu kommunizieren, es mit Projekten und Aktionen zu pushen.

Wir dürfen dabei aber nicht vergessen, in welch großer Verantwortung unsere Jugendleiterinnen und Jugendleiter stehen. Ihnen gilt eine riesige Anerkennung, dass sie sich ehrenamtlich nicht nur mit feuerwehrtechnischer Ausbildung von Nachwuchsfeuerwehrleuten beschäftigen, sondern sich mit so heiklen Themen – wie eben benannt – auseinandersetzen."