Drei Tage lang stand die Fachkonferenz der Deutsche Jugendfeuerwehr ganz im Zeichen der Facharbeit und des zentralen Themas Demokratieförderung. Vom 13. bis 15. März kamen rund 60 Teilnehmende im FORUM Leverkusen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, neue Impulse zu setzen und die gemeinsame Arbeit weiterzuentwickeln. Das bewährte Konzept der Fachtagung zeigte erneut seine Stärke: In interaktiven Workshops brachten Mitglieder des Jugendforums, Engagierte aus der Facharbeit sowie thematisch Interessierte ihre Perspektiven ein. Diese Vielfalt macht die Jugendfeuerwehrarbeit aus – und sorgt für praxisnahe Ergebnisse.
Open Space: Demokratieförderung konkret gedacht
Ein zentrales Element der Konferenz war das Open-Space-Format mit drei Panels, die unterschiedliche Aspekte der Demokratieförderung beleuchteten. Im ersten Panel „Brandherd Desinformation“ setzten sich die Teilnehmenden mit typischen Formen von Desinformation auseinander. Sie lernten, Risiken für die Jugendfeuerwehr zu erkennen und entwickelten konkrete Handlungsoptionen für den Umgang damit.
Im Panel „Demokratie erlebbar machen“ stand die Frage im Mittelpunkt, wie Demokratieförderung attraktiv, niedrigschwellig und jugendgerecht gestaltet werden kann. Deutlich wurde: Demokratie findet in der Jugendfeuerwehr längst statt – bei Diensten, Entscheidungen und Diskussionen. Ziel ist es, diese Prozesse noch sichtbarer und bewusster zu machen. Im dritten Panel „Hot oder Schrott?“ stand gute Praxis im Fokus. Zahlreiche Projekte zur Demokratieförderung existieren bereits in den Bundesländern. Hier wurden diese gesammelt, bewertet und geordnet mit Blick auf ihre Übertragbarkeit und ihren praktischen Nutzen.
Gemeinsam Lösungen entwickeln – Workshop 1: Kinderschutz weiterdenken
Im Workshop zum Thema Kinderschutz stand die Entwicklung eines umfassenden Schutzkonzepts im Mittelpunkt. Aktuelle Entwürfe wurden vorgestellt, diskutiert und weiterentwickelt.
Karsten Gäbler, Fachausschussvorsitzender Jugendpolitik und Integration: „Im Workshop zum Thema Kinderschutz teilten die Teilnehmer/-innen zunächst eigene Erfahrungen mit der Entwicklung und Umsetzung von Kinderschutzkonzepten. Dabei wurde erfreulicherweise deutlich, dass auf allen Ebenen inzwischen an Konzepten gearbeitet wird und ein Problembewusstsein vorhanden ist – gleichzeitig wurde jedoch auch die teilweise herausfordernde Personal- und Ressourcensituation hervorgehoben.
Im Anschluss arbeiteten die Teilnehmer/-innen in zwei Kleingruppen. Eine Gruppe beschäftigte sich mit dem Thema Kinderschutz im digitalen Raum und erarbeitete die inhaltlichen Grundlagen für eine Handlungsempfehlung zu diesem Thema. Die zweite Gruppe überarbeitete den Verhaltenskodex der DJF zum Thema Kinderschutz und verglich ihn mit neueren Dokumenten, wie etwa der 2025 verabschiedeten Grundsatzerklärung Kinderschutz. Die Ergebnisse beider Gruppen werden in die weitere Arbeit am Kinderschutzkonzept der DJF einfließen.“
Workshop 2: Inklusion praktisch umsetzen
Der Workshop „Eine für alle – Jugendfeuerwehr und Inklusion“ beschäftigte sich mit konkreten Wegen zu mehr Teilhabe und Barrierefreiheit. Grundlage war der sogenannte Inklusionscheck, der Jugendfeuerwehren Orientierung bieten soll.
„JF-Mitglieder mit Behinderungen haben dieselben Rechte wie Mitglieder ohne Behinderungen,“ erläutert Bildungsreferent Uwe Danker „Die Jugendfeuerwehren stehen in der Verantwortung, Inklusion zu realisieren. Ein neu entwickelter Inklusionscheck will dazu beitragen, den Jugendleitenden inklusive Lösungsansätze vorzuschlagen und Tipps zu bieten, wie die Inklusion praktisch umgesetzt werden kann. Im Workshop ging es vor allem um die Frage, wie Jugendfeuerwehren Kinder und Jugendliche mit Behinderungen bei Übungen, Fahrten, Zeltlagern und Wettbewerben von Anfang an mitdenken können. In der Diskussion wurde deutlich, dass viele Aspekte relevant sind und es oft keine fertigen Lösungen, aber durchaus erste einfache und umsetzbare Schritte gibt. Gemeinsam haben wir diese Ideen und Handlungsansätze gesammelt, die Jugendfeuerwehrwartinnen und -warten Orientierung für den eigenen inklusiven Alltag geben können.“
Workshop 3: Juleica als Schlüssel der Bildungsarbeit
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Weiterentwicklung der Jugendleiter-Card (Juleica) als wichtigem Qualifizierungsinstrument. Grundlage war eine bundesweite Umfrage sowie der intensive Austausch der Teilnehmenden.
„Mir war wichtig, dass wir nochmal alle Länder einfangen mit der Umfrage plus die Stimmen, die am Tisch sitzen,“ so Matthias Düsterwald, Fachausschussvorsitzender Bildung. „Das war einerseits sehr ergiebig, hat aber auch die Schwierigkeiten des Föderalismus gezeigt. Was ich richtig gut fand, war das Engagement der Teilnehmenden und dass wir einen Output generiert haben. Wir haben jetzt eine Projektgruppe, die die Weiterentwicklung der Juleica künftig koordiniert und begleitet. Jetzt kann die DJF als Dienstleister die Juleica-Ausbildung in den Ländern unterstützen und ihren Anteil an der Qualitätssicherung leisten.“
Fachlicher Austausch zum Abschluss
Am letzten Tag fanden noch einmal Austauschrunden zu zentralen Fachthemen statt. Diskutiert wurden unter anderem:
- Fachausschuss Bildung: Bildungsprogramm
- Fachausschuss Wettbewerbe: Wettbewerbs-Portal, Auswertungsthemen, Rezertifizierungsschulungen, Leistungsspange
- Fachausschuss Jugendpolitik & Integration: "Politisierung – Populismus – Polarisierung: Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten der Jugendfeuerwehren"
- Fachausschuss Kinder in der Feuerwehr: Aktuelles aus dem Bereich "Kinder in der Feuerwehr"
Das Bundesjugendforum nutzte diese Zeit für den Austausch über interne Themen.
Fazit: Engagement, das wirkt
Das offene Format, die intensive Zusammenarbeit und die Bereitschaft, Herausforderungen gemeinsam anzugehen, machen deutlich: Die Jugendfeuerwehr ist gut aufgestellt, um auch künftig eine starke, demokratische und inklusive Jugendarbeit zu gestalten.