mask

Das LAUFFEUER auf Jubiläumstour

60 Jahre Deutsche Jugendfeuerwehr & 50 Jahre LAUFFEUER

Runde Geburtstage und Jubiläen sind immer ein willkommener Anlass, um Freunde und Familie einzuladen. Wir machen es aber andersherum und laden uns selbst ein!

Wir haben das LAUFFEUER mit fest geschnürten Turnschuhen auf Interview-Tour quer durch die Republik und darüber hinaus geschickt, um Weggefährten und liebe Menschen aus 60 Jahren Jugendfeuerwehrgeschichte zu treffen. Auf der Reise von Nord nach Süd und Ost nach West erzählt das LAUFFEUER von vielen besonderen Begegnungen. In den Interviews geht es um die Anfänge der Deutschen Jugendfeuerwehr und des LAUFFEUERs, um besondere Momente und Emotionen, aber genauso um die Zukunft in Orange/Blau.

Unsere LAUFFEUER-Serie lest Ihr in den LAUFFEUER-Ausgaben ab Oktober 2023.

"In der Jugendfeuerwehr bist Du nicht alleine!" – Hinrich Struve

Von 1981 bis 1993 stand Hinrich Struve als Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) an der Spitze der deutschen Feuerwehrverbände. Er startete seine beeindruckende Feuerwehrlaufbahn im Jahr 1943 in der Freiwilligen Feuerwehr Niebüll in Nordfriesland (Schleswig-Holstein), wechselte wenig später in die FF Reußenköge und wurde dort 1963 Wehrführer. Ab 1974 übernahm er in unterschiedlichen Funktionen Verantwortung für die Feuerwehrarbeit in seinem Heimatbundesland Schleswig-Holstein. Als DFV-Präsident führte er den Verband durch die Zeit der Wiedervereinigung Deutschlands und begleitete den Wiederaufbau des kommunalen Feuerwehrwesens in den ostdeutschen Bundesländern. Hinrich Struve ist noch heute Ehrenpräsident des DFV und Ehrenmitglied des Weltfeuerwehrverbandes CTIF.

LAUFFEUER: Welchen Jugendfeuerwehr-Moment wirst Du nie vergessen?
Ich denke nicht so genau an Momente, ich denke eher an die Menschen. Für immer in Erinnerung bleibt mir da mein Freund Marius Ruschke aus Husum. Immer hilfsbereit, immer aufmerksam. Ich habe immer gedacht, wenn solche Menschen in Verantwortung bei den Jugendfeuerwehren und Verbänden sind, dann sind es die richtigen Vorbilder. Diese Hilfsbereitschaft, wie Marius sie mir vermittelte, habe ich auch immer bei den Jugendfeuerwehrleuten erlebt. Ich habe immer diese Haltung bei der Jugendfeuerwehr gespürt: "Du bist nicht alleine!" - da handelt niemand nur zu seinem Selbstzweck. Ich bin auch überzeugt, dass durch die Jugendfeuerwehr eine gewisse Erziehung geleistet wurde. Und ich denke, das ist auch heute noch so.

LAUFFEUER: Was verbindet Dich mit der Deutschen Jugendfeuerwehr?
Sehr viele kameradschaftliche Kontakte, sehr viele schöne Veranstaltungen. Ich habe auch mal unten am Bodensee im Wasser gelegen, weil da ein Zeltlager überflutet wurde. Ich war mit Karl Binai (ehemaliger Bundesjugendleiter und langjähriger Vizepräsident des DFV) dort im Zeltlager. Das war ein Erlebnis, als so langsam das Wasser anstieg. Da haben die Kamerad/-innen schnell Bretter gelegt und ich habe ganz vorsichtig zu Karl gesagt, dass sie an den Gräsern hätten erkennen können, dass es sich um ein Überflutungsgebiet handelt. Das kannte ich ja als Nordlicht nur allzu gut. Aber ich war auch immer beeindruckt von den Jugendfeuerwehr-Wettbewerben und den internationalen Olympiaden. Wie die Jugendlichen da Leistung gezeigt haben und Freundschaften geschlossen haben.

Mehr Fragen und Antworten lest Ihr im LAUFFEUER, Ausgabe 10/2023

"Wir müssen Jugendliche beteiligen!" – Karl-Heinz Banse

Im Jahr 1973 trat Karl-Heinz Banse in seiner Heimat Bad Lauterberg im Harz (Niedersachsen) in die Jugendfeuerwehr und 1979 in die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr (FF) über. In seiner Jugendfeuerwehr-Zeit erreichte er 1978 mit seiner Gruppe die Leistungsspange der Deutschen Jugendfeuerwehr. Bereits mit 27 Jahren übernahm er Verantwortung als stellvertretender Ortsbrandmeister und später auch als Ortsbrandmeister seiner FF. Viele weitere Funktionen bekleidete der Familienvater über viele Jahre, bis er 2013 zum Präsidenten des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen wurde. Und schließlich ist er nun seit Februar 2021 der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes.

LAUFFEUER: Was war Dein erster Berührungspunkt mit der Jugendfeuerwehr?
Mein Vater war 1965 Gründer der Jugendfeuerwehr Bad Lauterberg. Da war ich knapp drei Jahre alt. Also, fast so lange, wie ich denken kann, habe ich immer Jugendfeuerwehr schon als Kind miterlebt. Das hat meine Kindheit sehr geprägt. Darüber bin ich sehr glücklich.

LAUFFEUER: Hast Du aus deiner Zeit mit der Jugendfeuerwehr etwas gelernt?
Ich habe in der Zusammenarbeit mit der Jugendfeuerwehr gelernt, die Interessen der Jugendlichen ernst zu nehmen, ihnen zu zuhören, Empathie zu haben mit und für die Jugendlichen. Wir müssen mit den Jugendlichen sprechen, wir müssen mit ihnen diskutieren und wir müssen sie beteiligen. Es ergibt keinen Sinn, wenn wir nur Vorgaben machen, die dann umzusetzen sind. Damit werden wir nichts erreichen. In der Jugendfeuerwehr lernt man, wie man Demokratie lebt. Und das bedeutet auch, dass man einander ernst nimmt und Dinge zusammen umsetzt.

Mehr Fragen und Antworten lest Ihr im LAUFFEUER, Ausgabe 10/2023

"Ohne die DJF wäre die Arbeit der Feuerwehren heute nicht mehr so zu gewährleisten!" – Marcus Schleef

Als der Bremer Schornsteinfeger Marcus Schleef im Jahr 1993 zum Bundesjugendleiter der Deutschen Jugendfeuerwehr gewählt wurde, war er "erst" 26 Jahre jung. Erst fünf Jahre zuvor hatte er in "seiner" Freiwilligen Feuerwehr Bremen-Neustadt die Jugendfeuerwehr gegründet, war aber selbst in der Jugendzeit in der benachbarten JF Huchting aktiv. Über zwei Amtszeiten prägte er als Bundesjugendleiter die DJF, setzte vor allem auf die Netzwerke mit den Landesjugendfeuerwehren und die Förderung der internationalen Jugendarbeit.

LAUFFEUER: Welchen Jugendfeuerwehr-Moment wirst du nie vergessen?
Für mich war ein Erlebnis in meiner Zeit als Bundesjugendleiter sehr prägend. Das war der Staffellauf zum Deutschen Jugendfeuerwehrtag 1997 – von Trier in Rheinland-Pfalz nach Dresden in Sachsen. In Trier hatten wir 1993 den DJF-Tag und 1997 dann in Dresden. Hier haben alle Jugendfeuerwehren auf dem Weg von Trier nach Dresden mitgemacht und zur Eröffnungsveranstaltung beim DJF-Tag 1997 wurde dann dieser Staffelstab übergeben. Das war ein wahnsinniges Erlebnis seinerzeit auch für mich ganz persönlich.

LAUFFEUER: Was verbindet dich mit der Deutschen Jugendfeuerwehr?
Die DJF ist eine ganz, ganz tolle Jugendorganisation. Sie ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten in ihrem Stellenwert als Jugendverband in Deutschland und auch im Deutschen Bundesjugendring gewachsen. Darüber hinaus ist sie eine sehr kameradschaftliche Organisation für die Feuerwehren. Ohne die DJF, ohne die vielen, vielen Helfenden, die in den Bundesländern in den Verbänden agieren, wäre die Arbeit der Feuerwehren nicht mehr so zu gewährleisten, wie man sich das heute vorstellen kann. Wir haben ein riesiges Pfund an Kräften und an tollen, tollen Leuten, die als Jugendliche angefangen haben und in den verschiedensten Funktionen heute tätig sind.

Mehr Fragen und Antworten lest Ihr im LAUFFEUER, Ausgabe 10/2023

"'Unsere Welt ist bunt' hat mich gepackt!" – Christian Patzelt

Der Bremer Christian Patzelt begann seine Feuerwehrzeit mit elf Jahren in seiner Heimatstadt in der Jugendfeuerwehr Neustadt. Er engagierte sich nach seinem Übertritt in die Einsatzabteilung als Jugendbetreuer und viele Jahre auch als Jugendfeuerwehrwart. Über die Facharbeit, unter anderem im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, und als Landesjugendfeuerwehrwart Bremens engagiert er sich bereits seit 20 Jahren für die Deutsche Jugendfeuerwehr. Im September 2017 wurde er zum Bundes- jugendleiter gewählt.

LAUFFEUER: Welchen Jugendfeuerwehr-Moment wirst Du nie vergessen?
Meinen ersten Dienst. Diese Willkommenskultur damals von meinem Jugendfeuerwehrwart und den Betreuern, das war toll. Ich habe noch höflich alle Erwachsenen gesiezt, bis der über 1,90 Meter große Matthias vor mir stand und mir gesagt hat: "Wenn Du uns auch duzt, darfst Du wiederkommen." Aber ich vergesse auch viele andere Momente als Jugendlicher und besonders als Jugendfeuerwehrwart nicht, die Freizeitfahrten in den 1990ern in die Eifel oder der für uns Bremer riesige Erfolg beim Bundeswettbewerb 2013. Ich bin gleich wieder euphorisch, wenn ich an solche Erlebnisse denke.

LAUFFEUER: Was verbindet Dich mit der Deutschen Jugendfeuerwehr?
Mittlerweile ein ganzes Paket von Erlebnissen, knapp 20 Jahre Verbandsarbeit. Wirklich stark geprägt hat mich der Auftakt zu unserer Integrationskampagne "Unsere Welt ist bunt" und der sehr offene Austausch zu den eher feuerwehrfremden Themen damals, das hat mich gepackt. Heute sind es unsere Deutschen Jugendfeuerwehrtage, mit dem riesigen Einsatz der Feuerwehr vor Ort und tollen Jugendfeuerwehr-Gruppen, und die Zusammenarbeit im Team DJF. Das ist häufig anstrengend (zwinkernd), aber meistens extrem wertvoll.

Mehr Fragen und Antworten lest Ihr im LAUFFEUER, Ausgabe 10/2023

"Der Start bei Null brachte viele große Herausforderungen mit sich." – Annette Siedentopf

In Magdeburg-Olvenstedt (Sachsen-Anhalt) trifft das AUFFEUER-Flämmchen auf Annette Siedentopf, die seit über 25 Jahren Kinder und Jugendliche in der Feuerwehr betreut. Unsere Fragen an sie betreffen ihre Erfahrungen in der Wendezeit, die ersten Begegnungen mit der westdeutschen Jugendfeuerwehr und was sich seitdem in der Jugendarbeit getan hat.

LAUFFEUER: Wie war die erste Begegnung mit einer Jugendfeuerwehr aus der BRD?

Die erste Begegnung mit einer Jugendfeuerwehr war bei einem Orientierungsmarsch. Vorab gab es einige Treffen mit den Hauptverantwortlichen der Stadt Braunschweig, mit dem Stadtjugendfeuerwehrwart und seinem Gremium. Wir haben zunächst erst einmal kennengelernt, wie die Jugendfeuerwehr überhaupt aufgebaut ist. Das war für uns noch ganz neu. Die Einladung zum Orientierungsmarsch mit den Jugendlichen folgte darauf. Ein Orientierungsmarsch mit Stationen und der Austausch mit anderen Jugendlichen war Neuland für uns. Wir staunten über alles: Uniformen, Fahrzeuge und Technik. Die schönste Erinnerung an das Treffen war der gemeinsame Umgang miteinander. Daraus entstanden ist ein Besuch der Braunschweiger Jugendfeuerwehrwarte in Magdeburg. Es folgte dann ein reger Austausch über unsere Arbeit in der DDR und in der BRD. Einen Tipp bekamen wir dabei immer: Wir sollten nicht alles neu erfinden und einige Punkte der DDR-Feuerwehrarbeit fortführen.

LAUFFEUER: Empfindest du einen Unterschied als weibliche Betreuerin zu deiner Anfangszeit und heute?

Also es war schon etwas anderes, dass es bei uns in der DDR viele Betreuerinnen und vollausgebildete Feuerwehrfrauen gab. Das war in der BRD noch nicht so verbreitet. Ich wurde auch einmal nach Rheinland-Pfalz eingeladen, um darüber zu sprechen, wie man weibliche Betreuerinnen in die Feuerwehren bekommt. Die Männer in den Alt-Bundesländern haben da eher noch die Klischees gegenüber den Frauen aufrechterhalten. Frauen durften eher Kuchen backen und das Essen vorbereiten. Das war ich so nicht gewohnt.

Mehr Fragen und Antworten lest Ihr im LAUFFEUER, Ausgabe 11/2023